Schätze liegen uns zu Füßen

Philemon, der Freund des großen griechischen Redners Demosthenes, kam auf den Marktplatz und fragte ihn:

„Meister, ich will mein Haus verkaufen. Du kennst es gut, denn du warst bei manchem Gastmahl mein Gast. Kannst du mir nicht eine schöne Anzeige schreiben, die ich dann auf der Agora ausstellen könnte?“

Demosthenes nahm eine Wachstafel und einen Griffel und begann zu schreiben:

‚Ich verkaufe ein bezauberndes Grundstück, auf dem die Vögel vom Morgengrauen an singen, wo der Wind in den Blättern des Olivenbaumes raunt, wo das Wasser eines kristallklaren Quells rieselt, wo die Sonne den Patio des Morgens mit ihren goldenen Strahlen überflutet und am Abend der stille Schatten atmet.‘

Monate später traf Demosthenes seinen Freund wieder und fragte ihn, ob er sein Grundstück inzwischen verkauft habe.

„Ach nein“, antwortete dieser, „den Plan habe ich aufgegeben. Als ich deine Annonce las, wurde mir klar, welchen Schatz ich besitze. Von diesem Schatz will ich mich nicht mehr trennen.“

Manchmal kommt es vor, dass wir blind sind für die wunderbaren Dinge, die wir besitzen. Wenn uns niemand die Augen öffnet, laufen wir noch Trugbildern nach, obwohl die wahren Schätze uns zu Füßen liegen.
von Gabi Grosmann

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